
Autor
Hannah Hartmann

Reviewer
Sven Gründer
Kurz gesagt: Ja, eine Blasenentzündung kann auch ohne das typische Brennen beim Wasserlassen auftreten. Statt der klassischen Symptome zeigen sich oft unspezifische Beschwerden wie häufiger Harndrang, Druckgefühl im Unterbauch, trüber Urin oder allgemeines Unwohlsein. Besonders bei Männern, älteren Menschen oder chronischen Verläufen können die typischen Schmerzen fehlen. Trotzdem handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Infektion, die unbehandelt zu Komplikationen führen kann. Bei anhaltenden Beschwerden oder Blut im Urin solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. Mit der richtigen Diagnose lassen sich auch atypische Blasenentzündungen gut behandeln.
Du hast das Gefühl, dass mit deiner Blase irgendetwas nicht stimmt, aber das typische Brennen beim Pinkeln fehlt? Vielleicht musst du öfter auf die Toilette als sonst oder spürst einen komischen Druck im Unterbauch – aber von den klassischen Schmerzen, von denen alle reden, ist nichts zu merken?
Das ist verwirrend, oder? Schließlich heißt es doch überall, dass Brennen beim Wasserlassen das Hauptsymptom einer Blasenentzündung ist. Und jetzt sitzt du da und fragst dich: Kann ich trotzdem eine Blasenentzündung haben? Oder bilde ich mir das nur ein?
Die kurze Antwort lautet: Ja, eine Blasenentzündung kann definitiv auch ohne Brennen auftreten. Und das ist gar nicht mal so selten, besonders bei uns Männern. Die Symptome können sich ganz anders zeigen – subtiler, unspezifischer und deshalb auch schwerer zu erkennen.
In diesem Ratgeber erklären wir dir, warum Blasenentzündungen manchmal ohne die klassischen Schmerzen verlaufen, welche anderen Symptome stattdessen auftreten können und wann du unbedingt zum Arzt solltest. Du lernst, auf welche Warnsignale du achten musst und wie auch atypische Blasenentzündungen diagnostiziert und behandelt werden.
Denn eines ist wichtig: Auch wenn das Brennen fehlt, kann eine unbehandelte Blasenentzündung zu ernsthaften Komplikationen führen. Deshalb solltest du unklare Beschwerden im Blasenbereich immer ernst nehmen – auch ohne die typischen Schmerzen.
• Atypische Verläufe häufig: Bis zu 30 % der Blasenentzündungen verlaufen ohne das typische Brennen beim Wasserlassen¹.
• Besonders bei Männern: Männer entwickeln seltener die klassischen Symptome als Frauen und haben häufiger atypische Verläufe².
• Unspezifische Symptome: Stattdessen können häufiger Harndrang, Druckgefühl, trüber Urin oder allgemeines Unwohlsein auftreten³.
• Nicht weniger gefährlich: Auch ohne Brennen kann eine unbehandelte Blasenentzündung zu Nierenbeckenentzündung oder anderen Komplikationen führen⁴.
• Chronische Verläufe: Bei wiederkehrenden oder chronischen Blasenentzündungen lassen Schmerzsymptome oft nach, während andere Beschwerden bleiben⁵.
• Diagnose möglich: Auch ohne Brennen lässt sich eine Blasenentzündung durch Urinuntersuchung zuverlässig diagnostizieren⁶.
• Gut behandelbar: Mit der richtigen Therapie heilen auch atypische Blasenentzündungen in den meisten Fällen gut ab.
Definitiv und das ist sogar häufiger als viele denken. Das Brennen beim Wasserlassen gilt zwar als Leitsymptom einer Blasenentzündung (medizinisch Zystitis genannt), ist aber keineswegs ein Muss-Kriterium. Studien zeigen, dass bis zu 30 % der Blasenentzündungen ohne dieses typische Brennen verlaufen¹.
Warum ist das so? Eine Blasenentzündung entsteht, wenn Bakterien – meist E. coli aus dem Darm – in die Blase gelangen und dort die Schleimhaut entzünden. Diese Entzündung verursacht normalerweise Schmerzen, weil die gereizte Schleimhaut auf den Kontakt mit Urin sehr empfindlich reagiert.
Aber: Nicht jede Entzündung verläuft gleich. Die Intensität der Symptome hängt von vielen Faktoren ab – von der Art und Menge der Bakterien, vom Zustand deines Immunsystems, von deiner individuellen Schmerzempfindlichkeit und davon, wie lange die Infektion schon besteht.
Besonders bei Männern sind atypische Verläufe häufiger als bei Frauen². Das liegt teilweise daran, dass Blasenentzündungen bei Männern generell seltener sind und wenn sie auftreten, oft andere Faktoren im Spiel sind – wie Prostataprobleme oder anatomische Besonderheiten.
Wenn das Brennen fehlt, zeigt sich eine Blasenentzündung oft durch andere, subtilere Beschwerden. Diese können einzeln oder in Kombination auftreten:
Das häufigste alternative Symptom ist ein gesteigerter Harndrang³. Du musst ständig zur Toilette, obwohl nur wenig kommt. Manche Betroffene berichten, dass sie alle 20 bis 30 Minuten das Gefühl haben, dringend pinkeln zu müssen – aber dann kommen nur ein paar Tropfen. Dieses Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung ist typisch.
Viele spüren ein dumpfes Druckgefühl oder einen Schmerz im unteren Bauchbereich, etwa eine Handbreit über dem Schambein – dort, wo die Blase sitzt. Das ist kein stechendes Brennen, sondern eher ein unangenehmes, ziehendes Gefühl.
Der Urin kann trüb, wolkig oder verfärbt sein. Manchmal riecht er auch ungewöhnlich stark oder unangenehm⁶. In manchen Fällen ist sogar Blut im Urin sichtbar, was den Urin rosa bis rötlich färbt – das ist ein klares Warnsignal.
Manche Betroffene fühlen sich einfach nicht wohl, ohne dass sie genau sagen können, was los ist. Eine leichte Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder das Gefühl, als würde eine Erkältung anrücken, können Zeichen einer Blasenentzündung sein.
Eine leichte Temperaturerhöhung (bis 38 °C) kann auftreten. Wichtig: Hohes Fieber über 38,5 °C ist ein Warnsignal und könnte auf eine aufsteigende Infektion der Nieren hindeuten – dann solltest du sofort zum Arzt⁴.
Manche Menschen spüren die Entzündung als dumpfen Schmerz im unteren Rücken, besonders seitlich im Bereich der Flanken. Das kann leicht mit Rückenschmerzen verwechselt werden.
Es gibt verschiedene Gründe, warum das typische Brennen bei einer Blasenentzündung ausbleiben kann:
In der Anfangsphase einer Blasenentzündung kann das Brennen noch fehlen. Die Entzündung ist noch nicht stark genug ausgeprägt, um die charakteristischen Schmerzen zu verursachen. Das ist eigentlich eine Chance – wenn du die Infektion jetzt erkennst und behandelst, kannst du Schlimmeres verhindern.
Bei Menschen, die häufiger Blasenentzündungen haben, kann die Schmerzwahrnehmung mit der Zeit abnehmen⁵. Die Blase gewöhnt sich gewissermaßen an den Reiz, oder die chronische Entzündung verläuft weniger heftig als eine akute Erstinfektion.
Bei älteren Menschen ist die Schmerzwahrnehmung oft reduziert. Zudem haben ältere Männer häufig bereits Prostataprobleme, die die Symptomatik überlagern können. Die Blasenentzündung äußert sich dann eher durch Verwirrtheit, Appetitlosigkeit oder allgemeine Schwäche⁷.
Nicht alle Bakterien verursachen die gleichen Symptome. Manche Erreger führen zu stärkeren Schmerzen, andere eher zu unspezifischen Beschwerden. Auch die Bakterienmenge spielt eine Rolle – eine geringe Keimzahl kann subtilere Symptome verursachen.
Bei Männern ist die Harnröhre deutlich länger als bei Frauen. Wenn eine Infektion hauptsächlich die Blase betrifft und die Harnröhre weniger gereizt ist, kann das Brennen beim Wasserlassen fehlen oder nur schwach ausgeprägt sein².
Bei Männern mit Prostatavergrößerung oder Prostataentzündung können die Symptome diffuser sein. Die Blasenentzündung mischt sich dann mit den Beschwerden der Prostataerkrankung, und das typische Brennen tritt in den Hintergrund⁸.
Nein, definitiv nicht. Das ist ein häufiger Irrtum. Die Intensität der Symptome sagt nichts darüber aus, wie schwer oder gefährlich die Infektion ist. Eine Blasenentzündung ohne Brennen ist genauso behandlungsbedürftig wie eine mit starken Schmerzen.
Im Gegenteil: Gerade weil die Symptome subtiler sind, besteht die Gefahr, dass die Infektion unterschätzt oder übersehen wird. Unbehandelt kann eine Blasenentzündung – egal ob mit oder ohne Brennen – zu ernsthaften Komplikationen führen:
Die Bakterien können über die Harnleiter zu den Nieren aufsteigen und dort eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verursachen⁴. Das ist ein medizinischer Notfall, der sich durch hohes Fieber, Schüttelfrost und Flankenschmerzen zeigt.
Eine nicht vollständig auskurierte Blasenentzündung kann chronisch werden und immer wiederkehren⁵. Das bedeutet monatelange Beschwerden und einen langen Behandlungsweg.
In seltenen Fällen können Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und eine Urosepsis auslösen – eine lebensbedrohliche Blutvergiftung⁹. Das Risiko ist bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem erhöht.
Bei Männern kann sich die Infektion auf die Prostata ausbreiten und eine Prostataentzündung (Prostatitis) verursachen⁸. Das kann zu langwierigen Beschwerden und Schmerzen im Beckenbereich führen.
Die gute Nachricht: Auch ohne das typische Brennen lässt sich eine Blasenentzündung zuverlässig diagnostizieren. Der Arzt verlässt sich nicht nur auf deine Symptombeschreibung, sondern nutzt objektive Untersuchungsmethoden.
Zunächst wird dein Arzt dich ausführlich befragen: Welche Beschwerden hast du genau? Seit wann? Hattest du schon mal eine Blasenentzündung? Nimmst du Medikamente? All diese Informationen helfen bei der Einschätzung.
Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt deinen Bauch ab und prüft, ob die Blasenregion druckschmerzhaft ist. Bei Männern gehört auch eine rektale Untersuchung der Prostata dazu, um eine Prostatabeteiligung auszuschließen.
Das ist die wichtigste Untersuchung. Eine Urinprobe wird mit einem Teststreifen untersucht und im Labor analysiert⁶. Folgende Befunde sprechen für eine Blasenentzündung:
• Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Erhöhte Werte zeigen eine Entzündung an.
• Nitrit: Viele Bakterien wandeln Nitrat im Urin in Nitrit um – ein positiver Nitrit-Test ist ein starker Hinweis auf eine bakterielle Infektion.
• Erythrozyten (rote Blutkörperchen): Blut im Urin kann auf eine Entzündung hinweisen.
• Bakteriennachweis: Unter dem Mikroskop oder durch eine Urinkultur können Bakterien nachgewiesen werden.
Bei unklaren Fällen, wiederkehrenden Infektionen oder wenn die erste Behandlung nicht anschlägt, wird eine Urinkultur angelegt. Dabei werden die Bakterien im Labor angezüchtet und bestimmt. So kann der Arzt genau sagen, welche Bakterienart die Infektion verursacht und welches Antibiotikum am besten wirkt.
Bei komplizierten Verläufen, Blut im Urin oder Verdacht auf anatomische Probleme können zusätzliche Untersuchungen nötig sein: Ultraschall der Blase und Nieren, Blutuntersuchung oder in seltenen Fällen eine Blasenspiegelung.
Die Behandlung unterscheidet sich nicht von einer Blasenentzündung mit typischen Symptomen. Entscheidend ist, dass die bakterielle Infektion bekämpft wird.
Eine bakterielle Blasenentzündung wird mit Antibiotika behandelt¹⁰. Bei Männern ist die Therapiedauer oft länger als bei Frauen – typischerweise 5 bis 7 Tage, manchmal auch länger². Das liegt daran, dass Blasenentzündungen bei Männern häufiger kompliziert verlaufen.
Wichtig: Nimm die Antibiotika genau so ein, wie der Arzt es verschrieben hat. Auch wenn sich die Symptome schon nach ein, zwei Tagen bessern – brich die Therapie nicht vorzeitig ab. Sonst können Bakterien überleben und resistent werden.
Zusätzlich zu Antibiotika können folgende Maßnahmen helfen:
• Viel trinken: 2 bis 3 Liter Wasser täglich helfen, die Bakterien auszuspülen.
• Wärme: Eine Wärmflasche auf dem Unterbauch kann Beschwerden lindern.
• Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Ibuprofen das Unwohlsein reduzieren.
• Ruhe: Gönn deinem Körper Zeit zur Erholung.
Bei Männern ist oft eine Nachkontrolle sinnvoll, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig abgeheilt ist. Das kann eine erneute Urinuntersuchung ein bis zwei Wochen nach Therapieende beinhalten.
Bei folgenden Warnsignalen solltest du nicht zögern und umgehend einen Arzt aufsuchen:
• Blut im Urin: Auch wenn es nur leicht rosa gefärbt ist – sichtbares Blut gehört immer abgeklärt.
• Hohes Fieber über 38,5 °C: In Kombination mit Blasenbeschwerden kann das auf eine Nierenbeckenentzündung hinweisen⁴.
• Schüttelfrost: Das deutet auf eine systemische Infektion hin und ist ein Notfall.
• Starke Flankenschmerzen: Schmerzen im seitlichen Rückenbereich können bedeuten, dass die Infektion zu den Nieren aufgestiegen ist.
• Harnverhalt: Wenn du trotz Harndrang nicht pinkeln kannst, ist das ein urologischer Notfall.
• Beschwerden länger als 3 Tage: Auch leichte, unspezifische Symptome sollten nach spätestens 3 Tagen ärztlich abgeklärt werden.
• Wiederkehrende Beschwerden: Wenn du innerhalb von Wochen mehrfach ähnliche Symptome hast, sollte die Ursache untersucht werden.
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Auch wenn nicht alle Blasenentzündungen verhindert werden können, gibt es einige effektive Maßnahmen:
• Ausreichend trinken: 1,5 bis 2 Liter täglich halten die Harnwege gespült und erschweren Bakterien die Besiedlung.
• Nicht den Harndrang unterdrücken: Regelmäßiges Wasserlassen verhindert, dass sich Bakterien in der Blase vermehren.
• Nach dem Sex pinkeln: Das spült mögliche Bakterien aus der Harnröhre.
• Intimhygiene: Achte auf gute, aber nicht übertriebene Hygiene. Zu häufiges Waschen kann die Schutzbarriere der Haut stören.
• Prostataprobleme behandeln: Eine vergrößerte Prostata kann zu Restharn führen, der Infektionen begünstigt – lass das behandeln.
• Immunsystem stärken: Gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion helfen deinem Körper, Infektionen abzuwehren.
• Vorsorgeuntersuchungen: Ab 45 solltest du die urologische Vorsorge nutzen, um Probleme früh zu erkennen.
Eine Blasenentzündung ohne das typische Brennen ist keine Seltenheit – besonders bei Männern verlaufen Blasenentzündungen oft atypisch. Die Symptome können subtiler und unspezifischer sein, aber die Infektion ist deshalb nicht weniger ernst.
Wenn du häufigen Harndrang, Druckgefühl im Unterbauch, trüben Urin oder allgemeines Unwohlsein spürst, kann das auf eine Blasenentzündung hinweisen – auch ohne Brennen beim Wasserlassen. Lass das ärztlich abklären, denn unbehandelt kann die Infektion zu Komplikationen führen.
Die gute Nachricht: Auch atypische Blasenentzündungen lassen sich zuverlässig diagnostizieren und gut behandeln. Mit Antibiotika heilt die Infektion in den meisten Fällen komplett ab. Wichtig ist nur, dass du die Warnsignale ernst nimmst und nicht zu lange wartest.
Vertrau auf dein Bauchgefühl: Wenn etwas im Bereich deiner Blase nicht stimmt, auch ohne starke Schmerzen – lass es abklären. Dein Körper signalisiert dir damit, dass er Hilfe braucht.
Die Inhalte dieses Ratgebers dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Sie können und sollen in keinem Fall die professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen ausgebildeten und anerkannten Arzt ersetzen. Wir, von Streamcheck, übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen solltest du immer einen qualifizierten Arzt oder medizinisches Fachpersonal konsultieren. Zögere niemals, aufgrund von Informationen, die du hier gelesen hast, professionellen medizinischen Rat einzuholen oder diesen zu ignorieren. Im Notfall suche bitte umgehend einen Arzt auf.
Studien zeigen, dass bis zu 30 % aller Blasenentzündungen ohne das klassische Brennen beim Wasserlassen verlaufen¹. Bei Männern ist der Anteil sogar noch höher, weil Blasenentzündungen bei ihnen generell seltener sind und wenn sie auftreten, oft andere Faktoren wie Prostataprobleme beteiligt sind. Auch bei älteren Menschen und chronischen Verläufen fehlt das Brennen häufig. Es ist also keineswegs eine exotische Ausnahme, sondern ein recht häufiges Phänomen. Trotzdem wird es oft übersehen, weil viele Menschen denken, ohne Brennen könne keine Blasenentzündung vorliegen.
Davon ist grundsätzlich abzuraten. Während bei Frauen mit unkomplizierten Blasenentzündungen manchmal ein Selbstversuch mit viel Trinken und pflanzlichen Mitteln vertretbar ist, gilt das für Männer nicht². Bei Männern sind Blasenentzündungen fast immer kompliziert und sollten ärztlich behandelt werden. Das liegt daran, dass bei Männern häufig anatomische Besonderheiten oder Prostataprobleme beteiligt sind. Eine unbehandelte Blasenentzündung kann zu Nierenbeckenentzündung, Prostataentzündung oder anderen Komplikationen führen. Lass es also immer abklären, auch wenn die Symptome mild sind.
Ja, absolut. Häufiger Harndrang und Druckgefühl im Unterbauch können auch andere Ursachen haben: Eine vergrößerte Prostata (BPH), Prostataentzündung (Prostatitis), Harnsteine, interstitielle Zystitis (chronische Reizblase), sexuell übertragbare Infektionen oder in seltenen Fällen auch Blasentumore. Auch eine überaktive Blase kann ähnliche Symptome verursachen, ist aber keine Infektion. Deshalb ist die ärztliche Diagnostik so wichtig – nur so kann die genaue Ursache gefunden und richtig behandelt werden. Die Urinuntersuchung hilft dabei, eine Infektion von anderen Erkrankungen zu unterscheiden.
Mit der richtigen Antibiotika-Behandlung bessern sich die Symptome meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden deutlich. Die komplette Ausheilung dauert jedoch länger. Bei Männern wird typischerweise eine Therapiedauer von 5 bis 7 Tagen empfohlen, manchmal auch länger². Wichtig ist, dass du die Antibiotika wie verschrieben zu Ende nimmst, auch wenn die Symptome schon verschwunden sind. Eine zu kurze Behandlung kann dazu führen, dass Bakterien überleben und resistent werden, oder dass die Infektion chronisch wird. Nach Abschluss der Therapie ist oft eine Kontrolluntersuchung sinnvoll, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig ausgeheilt ist.
Stress allein verursacht keine bakterielle Blasenentzündung, kann aber indirekt das Risiko erhöhen. Bei chronischem Stress ist das Immunsystem geschwächt, wodurch der Körper Infektionen schlechter abwehren kann¹¹. Zudem kann Stress zu Verhaltensänderungen führen – man trinkt weniger, geht seltener zur Toilette oder vernachlässigt die Hygiene. All das begünstigt Infektionen. Interessanterweise gibt es auch die interstitielle Zystitis (chronische Reizblase), bei der psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Diese verursacht ähnliche Symptome wie eine Blasenentzündung, ist aber keine bakterielle Infektion. Die Unterscheidung kann nur durch ärztliche Diagnostik erfolgen.
Nein, eine normale Blasenentzündung ist nicht ansteckend. Die verursachenden Bakterien – meist E. coli – stammen aus der eigenen Darmflora und gelangen über die Harnröhre in die Blase. Du kannst die Infektion also nicht auf andere übertragen. Eine Ausnahme sind sexuell übertragbare Infektionen (STIs), die ebenfalls Blasenbeschwerden verursachen können. Wenn Chlamydien, Gonokokken oder andere Erreger beteiligt sind, können diese beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Das ist aber eine andere Erkrankung als die typische Blasenentzündung. Bei wiederkehrenden Beschwerden oder nach riskantem Sexualverkehr sollte auch an STIs gedacht und entsprechend untersucht werden.
Ja, bestimmte Medikamente können das Risiko für Harnwegsinfekte erhöhen. Immunsuppressiva (nach Organtransplantation oder bei Autoimmunerkrankungen) schwächen das Immunsystem und machen anfälliger für Infektionen. Auch Chemotherapeutika haben diesen Effekt. Manche Diabetesmedikamente (SGLT-2-Hemmer) erhöhen das Risiko für Harnwegsinfekte als Nebenwirkung. Langfristige Kortison-Einnahme kann ebenfalls das Infektionsrisiko steigern. Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst und häufiger Blasenbeschwerden hast, sprich das beim Arzt an. Manchmal kann eine Medikamentenumstellung oder zusätzliche prophylaktische Maßnahmen sinnvoll sein.
Eine akute Blasenentzündung ist eine neu aufgetretene Infektion, die mit oder ohne Brennen verlaufen kann. Sie entwickelt sich innerhalb von Tagen und lässt sich mit Antibiotika gut behandeln. Eine chronische Blasenentzündung liegt vor, wenn die Infektion über Monate anhält oder innerhalb von 6 Monaten dreimal oder häufiger auftritt⁵. Bei chronischen Verläufen sind die Symptome oft subtiler – das Brennen fehlt häufig, stattdessen dominieren unspezifische Beschwerden wie leichter Harndrang, Druckgefühl oder intermittierendes Unwohlsein. Chronische Blasenentzündungen erfordern eine sorgfältige Ursachensuche (anatomische Probleme, Restharn, Prostataerkrankungen) und oft eine längere oder angepasste Therapie. Manchmal ist eine vorbeugende Langzeitbehandlung notwendig.
¹ Hooton TM. Clinical practice. Uncomplicated urinary tract infection. N Engl J Med. 2012;366(11):1028-37.
² Griebling TL. Urologic diseases in America project: trends in resource use for urinary tract infections in men. J Urol. 2005;173(4):1288-94.
³ Foxman B. Urinary tract infection syndromes: occurrence, recurrence, bacteriology, risk factors. Infect Dis Clin North Am. 2014;28(1):1-13.
⁴ Johnson JR, Russo TA. Acute pyelonephritis in adults. N Engl J Med. 2018;378(1):48-59.
⁵ Anger J et al. Recurrent uncomplicated urinary tract infections in women: AUA/CUA/SUFU Guideline. J Urol. 2019;202(2):282-289.
⁶ Deutsche Gesellschaft für Urologie. Harnwegsinfektionen. S3-Leitlinie. 2017.
⁷ Beveridge LA et al. Urinary tract infections in the elderly. Clin Geriatr Med. 2016;32(3):523-38.
⁸ Krieger JN et al. Chronic bacterial prostatitis: a heterogeneous syndrome. Curr Urol Rep. 2003;4(4):287-93.
⁹ Kalra OP, Raizada A. Approach to a patient with urosepsis. J Glob Infect Dis. 2009;1(1):57-63.
¹⁰ Gupta K et al. International clinical practice guidelines for the treatment of acute uncomplicated cystitis in women. Clin Infect Dis. 2011;52(5):e103-20.
¹¹ Padgett DA, Glaser R. How stress influences the immune response. Trends Immunol. 2003;24(8):444-8.
¹² Naber KG. Management of bacterial prostatitis. Drugs. 2000;59(4):791-9.