
Autor
Bernd Apfelbacher

Reviewer
Sven Gründer
Du wachst jede Nacht mindestens einmal auf, weil Deine Blase drückt. Aber richtig leer fühlt sie sich nie an. Tagsüber gehst Du öfter zur Toilette als früher – aber der Strahl ist schwach, Du musst pressen, manchmal kommt kaum etwas. Und wenn Du ehrlich bist: Du hast Dich längst damit arrangiert. Weil Du denkst, das sei halt das Alter. Und weil Du keine Lust hast, mit jemandem darüber zu sprechen. Schon gar nicht mit einem Arzt. Stopp! Was Du erlebst, ist nicht einfach das Alter. Es kann gut behandelbar sein – wenn Du weißt, woran Du bist. Und genau dafür gibt es Ärzte, die sich Zeit nehmen. Diskret. Sachlich. Auf Augenhöhe.
Ein paarmal pro Nacht auf die Toilette müssen, obwohl Du vor dem Schlafengehen kaum getrunken hast. Dieses Szenario kennst Du vielleicht nur zu gut. Du bist nicht allein mit solchen Beschwerden: Tatsächlich haben etwa 85 % der Männer über 60 eine vergrößerte Prostata. Trotzdem spricht kaum jemand gerne darüber. Aus Scham und Unsicherheit verschweigen viele Männer ihre Probleme beim Wasserlassen sogar vor Partnerin oder Arzt - laut Umfragen beziehen nur 13 % der Betroffenen vertraute Personen mit ein.
Dabei ist eine Prostatavergrößerung in den allermeisten Fällen gutartig und behandelbar. Die Symptome entwickeln sich meist schleichend und werden von vielen zunächst als „normales“ Älterwerden abgetan. In diesem Ratgeber erfährst Du sachlich und einfühlsam, was hinter der gutartigen Prostatavergrößerung - medizinisch Benigne Prostatahyperplasie (BPH) - steckt, wie Du Symptome erkennst und welche Möglichkeiten der Therapie es gibt. Du erfährst, warum Du mit Deinen Beschwerden nicht allein bist und wie Du diskret und selbstbestimmt damit umgehen kannst.
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine kastaniengroße Drüse unterhalb der Blase, die den oberen Teil der Harnröhre ringförmig umschließt. In jungen Jahren hat sie etwa die Größe einer Walnuss. Im Alter kommt es bei fast allen Männern zu einer Vergrößerung dieses Organs - Mediziner sprechen von der gutartigen Prostatavergrößerung oder benignen Prostatahyperplasie (BPH). Gutartig bedeutet, dass die Vergrößerung nicht durch einen Tumor verursacht wird und kein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs besteht. Du musst also nicht sofort das Schlimmste befürchten.
Allerdings kann die wachsende Prostata auf umliegende Strukturen drücken. Sie sitzt direkt unter der Blase und um den oberen Teil der Harnröhre. Vergrößert sich das Gewebe, verengt sich die Harnröhre zunehmend und der Blasenauslass wird enger. Dadurch kommt es zu den typischen Problemen beim Wasserlassen, auf die wir gleich eingehen. Eine gutartige Prostatavergrößerung wird deshalb auch zum Benignen Prostatasyndrom (BPS) zusammengefasst: ein Bündel verschiedener Symptome infolge der vergrößerten Prostata.
Wichtig zu wissen: Nicht jede Prostata, die größer ist als früher, führt automatisch zu Beschwerden. Zwischen der Größe der Prostata und dem Ausmaß der Symptome besteht kein direkter Zusammenhang. Manche Männer mit deutlich vergrößerter Drüse haben kaum Einschränkungen. Umgekehrt können schon relativ kleine Veränderungen starke Beschwerden bereiten. Entscheidend ist, wie sehr die Prostata auf Blase und Harnröhre drückt und wie empfindlich Deine Harnorgane darauf reagieren.
Warum die Prostata bei manchen Männern im Alter über das normale Maß hinaus wächst, ist noch nicht vollständig geklärt. Fachärzte vermuten vor allem hormonelle Einflüsse als Ursache. Im höheren Alter sinkt der Testosteronspiegel im Blut, gleichzeitig steigt die Aktivität des Enzyms 5 - Alpha - Reduktase, das Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. DHT regt das Wachstum der Prostatazellen an. Zudem verschiebt sich das Verhältnis der Hormone: Der relative Östrogen - Anteil beim älteren Mann steigt an, was die Prostatazellen womöglich empfindlicher für DHT macht. Dieses Zusammenspiel aus sinkendem männlichen Hormon und veränderten Wachstumsreizen könnte dazu führen, dass die Prostata immer weiter wächst.
Neben dem Alter selbst - der wichtigsten Einflussgröße - diskutieren Forscher weitere Risikofaktoren. Genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen: Männer, deren Vater oder Bruder eine BPH hat, erkranken häufiger selbst daran. Auch Lebensstil und Stoffwechsel können das Prostatawachstum beeinflussen. Übergewicht, Bewegungsmangel, eine ungesunde Ernährung sowie Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck treten oft gemeinsam mit Prostatavergrößerungen auf. Dieses sogenannte metabolische Syndrom könnte über Veränderungen im Hormonhaushalt das Wachstum der Prostata fördern. Umgekehrt gelten regelmäßige Bewegung, Normalgewicht und eine ausgewogene Ernährung als positiv - sie könnten helfen, einer übermäßigen Prostatavergrößerung vorzubeugen.
Ganz verhindern lässt sich eine altersbedingte BPH vermutlich nicht. Sie ist bis zu einem gewissen Grad ein normaler Teil des Alterns. Bei Männern unter 40 kommt eine signifikante Prostatavergrößerung praktisch nicht vor. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Häufigkeit dann steil an. Mit über 75 Jahren sind nahezu alle Männer in gewissem Umfang betroffen. Wichtig ist, die Veränderungen einordnen zu können und rechtzeitig zu reagieren, falls Beschwerden auftreten.
Eine gutartige Prostatavergrößerung macht sich vor allem durch Probleme beim Wasserlassen bemerkbar. Ärzte fassen diese unter dem Begriff LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms, auf Deutsch „Symptome des unteren Harntrakts“) zusammen. Die typischen Anzeichen entwickeln sich meist langsam über Jahre. Anfangs sind sie vielen gar nicht richtig bewusst. Umso wichtiger ist es, darauf zu achten. Folgende Symptome treten häufig auf:
Ein häufiges Symptom ist verstärkter Harndrang (Pollakisurie). Du musst öfter zur Toilette als sonst, oft in kurzen Abständen, vor allem abends und nachts nimmt der Drang spürbar zu.
Nächtliches Wasserlassen (Nykturie) ist ebenfalls typisch: Du wachst ein- oder mehrmals pro Nacht auf, weil du Wasser lassen musst – das kann deinen Schlaf stark beeinträchtigen.
Wenn das Wasserlassen verzögert startet, obwohl du den Drang spürst, spricht man von sogenannten „Startschwierigkeiten“. Oft musst du erst pressen, bis der Urinfluss einsetzt.
Ein weiteres Anzeichen ist ein schwacher Harnstrahl. Der Urin fließt langsamer, dünner und mit weniger Druck – der Toilettengang dauert länger.
Unterbrechungen im Urinfluss können ebenfalls auftreten. Dabei reißt der Strahl plötzlich ab und setzt danach wieder ein – es fühlt sich an, als würde der Harn „stottern“.
Beim Nachträufeln läuft nach dem eigentlichen Wasserlassen noch etwas Urin nach. Du hast das Gefühl, noch nicht ganz fertig zu sein.
Auch ein Restharngefühl ist typisch: Nach dem Toilettengang fühlt sich die Blase nicht ganz leer an – als wäre noch etwas zurückgeblieben.
In späteren Stadien kann die Blase selbst geschwächt sein, weil sie ständig gegen einen erhöhten Widerstand anarbeiten musste. Das kann zu unkontrolliertem Harnverlust (Inkontinenz) führen oder sogar zum Harnverhalt, wenn gar kein Urin mehr abfließt.
Diese Symptome können durch die vergrößerte Prostata hervorgerufen werden, die auf Blase und Harnröhre drückt.
Durch die Abflussbehinderung muss die Blasenmuskulatur stärker arbeiten, verdickt sich und wird auf Dauer schwächer. Betroffene spüren z. B. Harndrang, obwohl die Blase noch gar nicht voll ist.
Viele Männer neigen dazu, solche Anzeichen zunächst zu ignorieren oder zu verharmlosen - nach dem Motto „Das ist eben das Alter“. Tatsächlich aber sollten anhaltende Veränderungen beim Wasserlassen ernst genommen werden. In einer Umfrage wussten nur 17 % der Männer, dass die genannten Beschwerden keine normale Alterserscheinung sind. Fast die Hälfte der 50 - bis 60 - Jährigen erkannte die Symptome einer Prostatavergrößerung überhaupt nicht. Lass es also nicht einfach laufen (im wahrsten Sinne) - achte auf diese Warnsignale Deines Körpers.
Je nach Ausprägung können die Symptome die Lebensqualität mehr oder weniger stark beeinträchtigen. Anfangs sind sie oft mild: Man richtet seinen Alltag darauf ein, geht eben öfter mal zur Toilette und arrangiert sich damit. Viele Männer scheuen an diesem Punkt noch den Arztbesuch aus Scham. Doch wenn die Beschwerden stärker werden, können sie zur echten Belastung werden: Nächtlicher Harndrang raubt Dir den Schlaf, was tagsüber zu Müdigkeit und Leistungsabfall führt. Ständige Toilettenpausen unterbrechen Aktivitäten, Reisen oder Treffen mit Freunden. Manche Betroffene trauen sich kaum noch aus dem Haus, ohne sofort eine Toilette in Reichweite zu haben. In schweren Fällen können auch Sexualleben und Intimität leiden - eine vergrößerte Prostata kann etwa Erektionsstörungen oder schmerzhafte Ejakulationen begünstigen.
Wichtig: Suche Deinen Arzt auf, wenn Du eines oder mehrere der oben genannten Symptome bei Dir feststellst. Probleme mit dem Wasserlassen haben zwar bei Männern in Deinem Alter sehr häufig mit der Prostata zu tun - es gibt aber auch andere mögliche Ursachen (zum Beispiel Harnwegsinfektionen oder neurologische Störungen), die ausgeschlossen werden sollten. Nur eine ärztliche Untersuchung kann klären, was tatsächlich dahintersteckt. Außerdem gilt: Bleibt eine stark vergrößerte Prostata unbehandelt, kann es im späten Stadium zu Komplikationen wie Harnverhalt, Blasen - und Nierenschäden kommen. Warte also nicht zu lange, sondern lass Dich rechtzeitig beraten - es muss Dir nicht peinlich sein.
Um abzuklären, ob Deine Beschwerden von einer Prostatavergrößerung kommen und wie ausgeprägt diese ist, wird der Arzt einige Untersuchungen durchführen. Zunächst steht eine ausführliche Befragung (Anamnese) an: Du wirst gefragt, welche Symptome genau auftreten, seit wann und wie stark sie Deinen Alltag beeinflussen. Eventuell lässt man Dich einen standardisierten Fragebogen ausfüllen (z. B. den IPSS - Fragebogen), um den Schweregrad der Symptome zu objektivieren. Auch Vorerkrankungen und aktuell eingenommene Medikamente werden erhoben.
An die Anamnese schließt sich in der Regel die körperliche Untersuchung an. Dazu gehört die digital-rektale Untersuchung (DRU). Der Arzt tastet mit dem Finger über den Enddarm die Prostata ab. Keine Sorge: Dieser kurze Check mag unangenehm sein, dauert aber nur Sekunden. Dabei kann der Arzt die ungefähre Größe, Form und Konsistenz der Prostata fühlen. Eine stark vergrößerte Prostata ist gut zu ertasten. Wichtig ist auch, dass sich eine gutartige Vergrößerung meist glatt und gummiartig anfühlt, während bei Prostatakrebs oft derb - harte Knoten getastet werden.
Zudem erfolgen technische Untersuchungen. Eine Urinuntersuchung im Labor zeigt, ob Entzündungszeichen oder Blut im Urin vorhanden sind, was z. B. auf eine Infektion hindeuten könnte. Oft wird auch ein PSA Test gemacht. Hierbei wird Dir Blut abgenommen und der Wert des prostataspezifischen Antigens bestimmt. Ein erhöhter PSA-Wert allein beweist zwar nichts, kann aber ein Hinweis auf Prostataveränderungen geben und fließt in die Gesamtbewertung ein. Gegebenenfalls schließt sich noch eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) an: Dabei kann man die Größe der Prostata messen und feststellen, ob Restharn in der Blase zurückbleibt. Mit einer Harnflussmessung (Uroflowmetrie) lässt sich objektiv prüfen, wie viel Urin pro Sekunde fließt und ob der Harnstrahl tatsächlich abgeschwächt ist.
Diese Untersuchungen helfen dem Urologen, andere Ursachen auszuschließen und den Schweregrad Deiner Prostatavergrößerung einzuschätzen. Auf dieser Basis wird er mit Dir das weitere Vorgehen besprechen. Tipp: Wenn Dir der direkte Gang zum Urologen unangenehm ist, gibt es auch diskrete Möglichkeiten, Deine Blasengesundheit vorab selbst zu überprüfen. Moderne Selbsttests wie Streamcheck ermöglichen es, Deinen Harnfluss und bestimmte Laborwerte bequem zuhause zu messen und so erste Hinweise auf eine Prostatavergrößerung zu erhalten.
Einen ausführlichen Ratgeber dazu findest Du hier: Männergesundheit diskret im Blick behalten.
Die gute Nachricht: Eine gutartige Prostatavergrößerung muss nur behandelt werden, wenn sie Dich wirklich stört oder gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Es gibt ein breites Spektrum an Therapiemöglichkeiten,von einfachen Verhaltensänderungen bis hin zu operativen Eingriffen. Welcher Weg der richtige ist, hängt von Deinen Symptomen, Deinem persönlichen Leidensdruck und Deiner allgemeinen Gesundheit ab. Der Urologe wird mit Dir gemeinsam entscheiden, was in Deinem Fall sinnvoll ist. Grundsätzlich gilt: Bei milden Beschwerden kann man oft zunächst abwarten („aktive Überwachung“). Bei stärkeren Beschwerden oder wenn Komplikationen drohen, sollte behandelt werden.
Abwarten & Lebensstil
Wenn die Beschwerden nur leicht sind, reicht es oft, die Situation zunächst regelmäßig zu kontrollieren – etwa einmal jährlich. Gleichzeitig kannst du deinen Alltag anpassen: Trinke tagsüber ausreichend, aber reduziere die Flüssigkeitsaufnahme am Abend. Alkohol und Kaffee solltest du abends möglichst meiden, da sie Harndrang verstärken können. Blasentraining kann dir helfen, die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen zu verlängern. Diese einfachen Maßnahmen verschaffen vielen Betroffenen bereits eine spürbare Erleichterung.
Pflanzliche Mittel
Präparate wie Kürbiskernextrakt, Brennnesselwurzel oder Sägepalmenfrüchte werden häufig eingesetzt, um die Prostatafunktion zu unterstützen. Sie sind rezeptfrei erhältlich und bei leichten Beschwerden einen Versuch wert. Allerdings ist die Wirksamkeit wissenschaftlich umstritten – die meisten Studien zeigen keinen klaren Vorteil. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Urologie pflanzliche Mittel nicht routinemäßig.
Medikamente: Alphablocker
Wirkstoffe wie Tamsulosin entspannen die Muskulatur in der Prostata und am Blasenhals. Das verbessert den Harnfluss oft schon nach wenigen Tagen. Alphablocker wirken schnell, beeinflussen das Wachstum der Prostata jedoch nicht. Häufige Nebenwirkungen sind Schwindel oder Ejakulationsstörungen.
Medikamente: 5-Alpha-Reduktase-Hemmer
Diese Mittel – z. B. Finasterid oder Dutasterid – hemmen das Hormon DHT und können die Prostata langfristig verkleinern. Sie wirken vor allem bei stark vergrößerter Prostata, brauchen aber mehrere Monate, bis sich eine Besserung zeigt. Der Vorteil: Sie können das Risiko für Harnverhalt und Operationen senken. Mögliche Nebenwirkungen sind Libidoverlust oder Erektionsstörungen. Häufig wird eine Kombination aus Alphablockern und 5-AR-Hemmern verwendet, um kurz- und langfristig zu helfen.
Minimalinvasive Verfahren
Wenn Medikamente nicht ausreichen oder nicht vertragen werden, kommen schonendere Eingriffe infrage. Bei der sogenannten Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) wird die Durchblutung der Prostata gezielt reduziert, sodass sie schrumpft – das erfolgt über einen Katheter in der Leiste, nur unter lokaler Betäubung. Auch moderne Methoden wie die Wasserdampftherapie (Rezum), bei der Prostatagewebe durch Wärme zerstört wird, sind eine Option. Diese Verfahren sind vor allem bei mittelschweren Beschwerden geeignet und haben weniger Einfluss auf Potenz und Ejakulation.
Operative Eingriffe
Bei ausgeprägten Beschwerden oder wenn andere Maßnahmen nicht helfen, ist eine Operation notwendig. Die Standardmethode ist die transurethrale Resektion der Prostata (TURP): Dabei wird das überflüssige Gewebe mit einer Elektroschlinge durch die Harnröhre entfernt. Das verbessert den Harnfluss in der Regel dauerhaft. Bei sehr großer Prostata kann eine offene Operation nötig sein – das ist aber selten. Alternativ kommen Laserverfahren zum Einsatz, bei denen das Gewebe verdampft oder geschnitten wird. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, über die dich dein Arzt genau aufklärt. Nach einer Operation kann es z. B. vorübergehend zu Inkontinenz oder dauerhaft zu einem sogenannten „trockenen Samenerguss“ kommen.
Wie Du siehst, gibt es eine ganze Palette an Behandlungsmöglichkeiten. Viele Männer sind erleichtert zu hören, dass nicht sofort eine Operation sein muss. In der Tat lässt sich in frühen Stadien oft mit sanften Methoden viel erreichen. Medikamente wie Alphablocker langfristig das Fortschreiten der Vergrößerung bremsen. Auch Kombinationen dieser Wirkstoffe werden häufig eingesetzt, um sowohl kurzfristig zu helfen als auch langfristig die Prostata zu verkleinern. Sollte doch ein Eingriff nötig werden, stehen heute sehr sichere Verfahren zur Verfügung. Die klassische TURP gilt weiterhin als Goldstandard mit über 80 - 90 % Erfolgsrate in Bezug auf die Symptomlinderung. Neuere Techniken wie Laser oder Wasserdampf können bei geeigneten Patienten aber ebenfalls gute Ergebnisse mit weniger Nebenwirkungen erzielen.
Wichtig ist, dass Du gemeinsam mit Deinem Arzt die für Dich passende Strategie findest. Lass Dich beraten und hab keine Scheu, Fragen zu stellen. Du musst Dich nicht mit ständigem Harndrang und schwachem Harnstrahl abfinden, es gibt Hilfe.
Auch außerhalb der eigentlichen medizinischen Therapie kannst Du selbst einiges tun, um mit einer vergrößerten Prostata besser zu leben. Einige praktische Maßnahmen haben wir bereits erwähnt: Achte auf Deine Trinkgewohnheiten. Trinke über den Tag verteilt genug, aber vermeide größere Mengen spätabends, damit die Nykturie Dich nicht jede Nacht aus dem Bett zwingt. Reduziere alkoholische und koffeinhaltige Getränke am Abend, denn Alkohol und Koffein wirken harntreibend und reizen die Blase zusätzlich. Halte Dich warm, denn Kälte kann den Harndrang verstärken (viele Männer berichten z. B., dass an kalten Tagen das Wasserlassen schwieriger wird).
Ein einfaches Blasentraining kann helfen, die Intervalle zwischen den Toilettengängen langsam zu verlängern. Versuche zum Beispiel, nicht beim allerersten Drang sofort zu gehen, sondern den Gang zur Toilette etwas hinauszuzögern, natürlich nur in Maßen und nicht bis zur Schmerzgrenze. Dadurch kann sich die Blase wieder etwas daran gewöhnen, mehr Volumen zu fassen. Auch gezielte Beckenbodenübungen können die Blasenkontrolle unterstützen und Inkontinenz vorbeugen, falls das ein Thema ist.
Zur Vorbeugung einer übermäßigen Prostatavergrößerung an sich ist ein gesunder Lebensstil ratsam. Absoluten Schutz gibt es zwar nicht, aber Du kannst das Risiko beeinflussen: Halte Dein Gewicht in Schach, ernähre Dich ausgewogen (viel Gemüse, Obst, Vollkorn und gesunde Fette) und bleibe körperlich aktiv. Studien zeigen, dass Männer, die sich viel bewegen, seltener ausgeprägte Prostatabeschwerden entwickeln. Auch nicht zu rauchen ist mit Blick auf die Prostata und die Gesamtgesundheit sinnvoll.
Ebenso wichtig sind Vorsorgeuntersuchungen. Ab 45 bieten die Krankenkassen jährliche Prostatachecks (Tastuntersuchung) an. Nutze diese , auch wenn Dir das Thema unangenehm ist. Früherkennung ist wichtig, um Prostatakrebs auszuschließen oder früh zu entdecken. Und auch eine gutartige Vergrößerung kann der Arzt so rechtzeitig feststellen und beobachten. Denke daran, dass Ärzte solche Beschwerden tagtäglich hören. Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe zu suchen. Iim Gegenteil: Es zeigt, dass Du Verantwortung für Deine Gesundheit übernimmst.
Eine gutartige Prostatavergrößerung ist für viele Männer ab 60 ein ganz normales Thema, auch wenn ungern darüber gesprochen wird. Wichtig ist: Lass Dich von den unangenehmen Symptomen nicht entmutigen. Sprich mit Deinem Arzt, wenn das Wasserlassen zum Problem wird. In den meisten Fällen kann Entwarnung gegeben werden, und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Deine Beschwerden zu lindern. Mit dem richtigen Wissen und frühzeitiger Behandlung musst Du Dich nicht damit abfinden, ständig nach einer Toilette zu suchen oder nachts mehrfach aufzustehen. Du bist nicht allein mit diesen Problemen, und die Medizin kann Dir helfen, wieder mehr Lebensqualität und Sicherheit zu gewinnen. Trau Dich, den ersten Schritt zu tun.
Nein, eine gutartige Prostatavergrößerung bildet sich in der Regel nicht spontan zurück. Sie schreitet vorwiegend langsam voran. Nur bestimmte Medikamente (z. B. 5 - Alpha - Reduktase-Hemmer) können das Wachstum bremsen oder eine geringe Schrumpfung bewirken. Ohne Behandlung bleibt die Größe meist konstant oder nimmt über die Jahre weiter zu.
Beide Erkrankungen betreffen die Prostata, haben aber unterschiedliche Ursachen. Eine Prostatavergrößerung ist gutartig (BPH) und betrifft überwiegend den inneren Teil der Prostata, während Krebs im äußeren Bereich entsteht. Frühsymptome können sich ähneln, daher ist eine ärztliche Abklärung entscheidend - z. B. durch Tastuntersuchung, Ultraschall und PSA-Wert im Blut. Sicherheit gibt nur eine gezielte Diagnostik.
Nicht jede Vergrößerung erfordert sofortige Behandlung. Du solltest jedoch rechtzeitig ärztlich abklären lassen, ob Handlungsbedarf besteht - vor allem, wenn Beschwerden wie häufiger Harndrang, Nachträufeln oder nächtliches Wasserlassen auftreten. Je früher Du die Ursache kennst, desto einfacher lassen sich belastende Folgen vermeiden.
Ein gesunder Lebensstil kann die Symptome positiv beeinflussen. Dazu gehört: Gewicht reduzieren, regelmäßige Bewegung, Verzicht auf Alkohol/Koffein am Abend und ballaststoffreiche Ernährung. Kürbiskerne oder Sägepalme gelten als traditionelle Hausmittel. Ihre Wirkung ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Sie können bei milden Beschwerden ausprobiert werden, ersetzen aber keine Diagnose.
Die gutartige Vergrößerung an sich beeinflusst die Potenz meist nicht direkt. Manche Medikamente oder Eingriffe zur Behandlung (z. B. Alphablocker, Operationen) können jedoch Nebenwirkungen wie Ejakulationsstörungen oder Libidoverlust verursachen. Diese Risiken lassen sich im Arztgespräch gut abwägen. Moderne Verfahren sind oft potenzerhaltend.